Hintergrund
Technologie-Vergleich

Air Bonding vs. Optical Bonding: Was lohnt sich wann?

Klebestreifen am Rand oder vollflächige Veredelung? Wir vergleichen Kosten, Qualität und Risiken beider Verfahren für Ihr Display-Projekt.

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Die Entscheidung fällt oft schon in der Konzeptphase: Wie verbinden wir das Deckglas (Touchscreen) mit dem Display? Die günstigste Methode ist das sogenannte "Air Bonding" (auch Edge Bonding oder Tape Bonding). Die Premium-Methode ist "Optical Bonding" (Direct Bonding).

Doch der Preisunterschied schreckt viele Einkäufer zunächst ab. Ist der Mehrwert von Optical Bonding wirklich so groß? Wir machen den technischen Faktencheck, damit Sie die richtige Entscheidung treffen.

Was ist der technische Unterschied?

1. Air Bonding (Tape Bonding):
Hier wird das Deckglas nur am Rand mit einem doppelseitigen Industrieklebeband (Industrial Tape) auf dem Metallrahmen des Displays befestigt. Zwischen Glas und Display bleibt ein Hohlraum voller Luft ("Air Gap").

2. Optical Bonding (Direct Bonding):
Hier wird der Hohlraum vollständig mit einem hochtransparenten Flüssigkleber (LOCA) oder einer Folie (OCA) ausgegossen. Glas, Kleber und Display verschmelzen zu einer einzigen, soliden Einheit.

Schema: Querschnitt Luftspalt vs. Vollverklebung
Abb 1: Oben: Air Gap verursacht 4 Reflexionsflächen. Unten: Bonding hat nur eine optische Oberfläche.

Das Problem mit der Physik: Brechungsindex

Das Hauptargument für Optical Bonding ist die Optik. Beim Air Bonding muss das Licht durch verschiedene Medien (Glas -> Luft -> Glas). Jedes Mal ändert sich der Brechungsindex. Das führt zu Reflexionen.

Die Folge ("Grey Gap"):
Bei Air Bonding wird das Schwarz des Displays zu einem matten Grau ausgewaschen. Der Kontrast sinkt drastisch. Bei Optical Bonding bleibt Schwarz wirklich Schwarz ("True Black"), weil das Licht ungehindert passieren kann.

Die versteckten Risiken von Air Bonding

Viele Kunden wählen Air Bonding wegen der geringeren Initialkosten. Doch über die Lebensdauer des Geräts (Total Cost of Ownership) lauern Gefahren:

  • Parallaxe (Touch-Fehler): Durch den Abstand zwischen Glas und Display "schwebt" der Finger optisch über dem Button. Bei seitlichem Blickwinkel drückt man oft daneben.
  • Staub-Eintritt: Kein Tape ist auf Dauer 100% dicht. Durch Temperaturwechsel "atmet" das Gehäuse und saugt Staub in den Luftspalt. Hässliche Partikel werden sichtbar.
  • Hitzestau: Luft isoliert (denken Sie an Thermosflaschen). Die Wärme der LEDs kann nicht nach vorne entweichen. Das Display überhitzt schneller und altert früher.

Entscheidungshilfe: Wann nehmen Sie was?

Kriterium Air Bonding (Tape) Optical Bonding
Kosten (Initial) Gering (Budget-Lösung) Mittel bis Hoch
Outdoor-Eignung Schlecht (Reflexion & Nebel) Perfekt (Sonnenlesbar)
Lebensdauer Mittel (Hitzestau möglich) Hoch (Gute Wärmeableitung)
Optik & Design "Grauschleier", wirkt billiger "Black Panel", Premium-Look

Unser Fazit

Für einfache Indoor-Anwendungen im dunklen Lager oder Serverraum reicht Air Bonding oft aus. Aber sobald Ihr Gerät draußen steht, hochwertig aussehen soll oder präzise bedient werden muss, führt kein Weg an Optical Bonding vorbei. Die Mehrkosten amortisieren sich durch Langlebigkeit und Kundenzufriedenheit.

Unsicher, welches Verfahren passt?

Wir kalkulieren beide Optionen für Sie. Senden Sie uns Ihre Anforderungen.

Egal ob Tape, LOCA oder OCA – wir beraten technologieunabhängig und finden die wirtschaftlichste Lösung für Ihre Serie.

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